Risikobewertung und Portfoliooptimierung
Risikobewertung und Portfoliooptimierung liegen im Herzen aller erfolgreichen Finanzstrategien. Der Prozess beinhaltet die Analyse unzähliger Kombinationen von Anlagemöglichkeiten, mit dem Ziel, ein optimales Gleichgewicht zwischen Risiko und Rendite zu finden. Sobald die Anzahl der Assets steigt, führt dies schnell zu einer exponentiell sehr herausfordernden Aufgabe für klassische Computer.
Hier kommt Quantencomputing ins Spiel. Dank der Fähigkeit, die Prinzipien der Überlagerung und Verschränkung zu nutzen, können Quantencomputer riesige Datenmengen gleichzeitig verarbeiten. Quantenalgorithmen, wie der Quantum Approximate Optimization Algorithm (QAOA), sind in der Lage, vielschichtige Finanzdaten effizienter zu verarbeiten. Sie können optimale Portfolios in einem Bruchteil der Zeit identifizieren, die traditionelle Algorithmen benötigen.
Das Erstellen eines optimalen Portfolios mit einem Quantencomputer basiert auf der Verwendung genau dieser QAOAs. Ziel ist es, die optimale Kombination von Assets zu finden, die die Rendite maximiert und das Risiko minimiert. Eine Aufgabe, die aufgrund der großen Anzahl potenzieller Asset-Kombinationen und der probabilistischen Natur von Renditen und Risiken äußerst komplex ist.
Vereinfacht formuliert werden QAOAs in diesem Fall wie folgt genutzt:
- Jedes potenzielle Portfolio wird als Quantenzustand dargestellt. Ein Quantencomputer kann mit seinen Qubits eine Überlagerung dieser Zustände halten und aufgrund des Prinzips der Überlagerung effektiv alle möglichen Portfolios auf einmal betrachten.
- Jedes potenzielle Portfolio wird anhand einer vorbestimmten Kostenfunktion mit Kosten belegt, die das Gesamtrisiko des Portfolios widerspiegeln.
- Der Quantenalgorithmus versucht, diese Kostenfunktion zu minimieren. Dies geschieht durch die Anwendung einer Reihe von Quantenoperationen (auch als Gates bekannt), um den Zustand der Qubits zu manipulieren. Diese Gates werden in einem iterativen Prozess wiederholt angewendet, wobei das System jedes Mal ein wenig näher an den Zustand herangeführt wird, der das optimale Portfolio darstellt.
- Quanteninterferenz wird genutzt, um die Wahrscheinlichkeit des optimalen Portfolios zu maximieren und die Häufigkeit weniger wünschenswerter Portfolios zu reduzieren.
- Nach einer Anzahl von Iterationen wird der Quantenzustand gemessen, wodurch die Überlagerung der Zustände aufgrund des quantenmechanischen Prinzips der Messung auf einen einzigen Zustand reduziert wird. Mit einem gut eingestellten Algorithmus sollte dieser Zustand mit hoher Wahrscheinlichkeit dem optimalen Portfolio entsprechen.
- Der Quantencomputer liefert dann das optimale Portfolio als Ausgabe, das zur Informationsbasis für Investitionsentscheidungen genutzt werden kann.
Diese Methode übertrifft traditionelle Computer-Algorithmen, die in der Regel jede Portfolio-Kombination sequenziell testen müssen. Genau das kann bei großen Mengen von Assets rechenintensiv und zeitaufwendig sein.
Auch wenn dieser Prozess großes Potenzial hat, muss unbedingt erwähnt werden, dass er immer noch Gegenstand der laufenden Forschung ist. Aufgrund technologischer Einschränkungen von Quantencomputern kann er aktuell noch nicht vollständig in die Praxis umgesetzt werden. Zudem machen es die momentanen Kosten und die Komplexität des Betriebs eines solchen Systems nahezu unmöglich, es großflächig einzusetzen.
Weitere Anwendungssituationen liegen dennoch auf der Hand: Monte-Carlo-Simulationen, die in der Finanzwelt häufig zur Risikobewertung eingesetzt werden, könnten durch Quantencomputing erheblich verbessert werden. Monte-Carlo-Simulationen verwenden zufällige Stichproben, um numerische Größen zu schätzen, die deterministisch schwer zu berechnen sind. In ganz einfachen Worten erstellt eine Monte-Carlo-Simulation eine Verteilungskurve durch einen interaktiven Prozess früherer Simulationen. Diese Prozesse können auf konventionellen Computern sehr rechenintensiv und langsam sein.